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Orchester Schwyz-Brunnen                                                                            NSZ, 25.3.2001


Die Höhen und Tiefen der Romantik

Eingetaucht in eine zauberhafte Märchenidylle, in Weltschmerz, Hoffnung und tänzerische Elemente: Das Orchester Schwyz-Brunnen lud zum Konzert.


VON CHRISTINE TSCHÜMPERLIN

Am Samstagabend war die Pfarrkirche Ingenbohl voll besetzt mit Musikfreunden. Das Orchester Schwyz-Brunnen hatte unter der Leitung von Stefan Albrecht (Brunnen) zum Konzert geladen. Im kommenden Jahr wird das renommierte Laienorchester sein 40-jähriges Bestehen feiern. Noch ist offen, ob, respektive wie der Geburtstag zelebriert worden soll.

Eröffnung mit Spätbarock

Eröffnet wurde der Abend mit acht Tanzansätzen aus Henry Purcells Suite aus «The Fairy Queen». Die Musizierenden verstanden es, das Publikum in die zauberhafte Welt des Spätbarocks zu entführen. Märchenhaft war damals auch Purcells Inspiration zu dieser Komposition gewesen; er hatte sie aus Shakes peares Sommernachtstraum erhalten.
Das Orchester spielte unter anderen luftige Harmonien (Air) gefolgt von graziösen im Rondeau. Die erste «Hornpipe» wurde leicht dominiert von den Streichbässen im Orchester. Erfrischend bis markant war der Schluss, ebenfalls mit einem «Air». Ein Geigentrio setzte hier schöne Akzente.
Das Hauptgewicht des Konzertabends lag bei der Florentiner Sinfonie op. 87 von Josef Gabriel Rheinberger (1839­1901). In seiner Zeit war der Komponist hoch geschätzt und geehrt. Die neue Musikliteratur erwähnt ihn fast nur noch als Lehrer von Edvard Grieg.
Rheinberger war aus Liechtenstein und würde in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag feiern. Dieses Jubiläum gab Stefan Albrecht die Motivation, dem Musiker ein Gedenken zu setzen.

Vielschichtig und anspruchsvoll

Die erwähnte Sinfonie in F-Dur ist nicht sehr bekannt. Sie präsentierte sich als äusserst vielschichtiges und sehr anspruchsvolles Werk. Bei der Florentiner Sinfonie spielt ein gutes Laienorchester an seinen obern Grenzen. Mit zusätzlichen Hörnen, Trompeten, Posaunen, einer Tuba und Pauken präsentierte sich das Ensemble nun in voller sinfonischer Besetzung.
Das Publikum zeigte sich begeistert von den Tiefen und Höhen der romantischen Seele, die aus diesem Werk sprach. Die Zuhörer schwebten zwischen Weltschmerz, Zorn, sanfter Zuversicht, Hoffnung und tänzerischen Elementen. Nach der emotionell intensiven Arbeit (für Musiker und Hörer) im Allegro con fuoco und dem Adagio, folgte das gesetztere Menuetto pastorale.
Ein besonderes Kompliment geht hier an die Geiger; sie täuschten spielerische Leichtigkeit vor, obwohl einige Passagen höchst anspruchsvoll gesetzt sind. Kraftvoller und herzlichster Applaus war am Schluss der Lohn für das gesamte Orchester und seine sehr guten Leistungen. Am späten Sonntagnachmittag hat das Orchester dasselbe Programm noch einmal in der Pfarrkirche Seewen gespielt.